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Ferenc: Ich glaube, dass es die Freundschaft ist, die uns zusammenschweißt. Und der Spaß, den wir an der Musik haben und der Spaß, den wir den Leuten geben. Diese Kombination macht es vielleicht leichter über gewisse Sachen hinwegzugehen. Ich hab' auch mal Situationen erlebt, wo es zu gewissen Spannungen kam, aber die haben sich auch weitestgehend gelöst.
Eddi: Wir sind alle verschieden, und wir sind auch alle bereit mal Rücksicht zu nehmen auf die etwas komischen Eigenschaften, die die anderen haben. Jeder ist mal komisch und ärgert den Rest, und jeder versucht dann damit umzugehen. Ich denke, da ist 'ne Menge Verständnis füreinander auf die Dauer gewachsen.
Eddi: Interessante Theorie. Da ist auch was dran, ich merke, wenn wir uns gut verstehen, dann klingen wir auch viel besser.
Ferenc: Auf jeden Fall. Wenn die Stimmung in der Gruppe gut ist, dann herrscht eine Ausgelassenheit auf der Bühne, die das Singen leichter macht. Es läuft dann runder, es ist sauberer. Das ist interessant. Das habe ich auch so noch nicht gesehen - 'ne gute Frage.
Ferenc: Dazu gibt es 'ne interessante Geschichte. Ich war zwar noch nicht dabei, aber die haben mir meine Kollegen erzählt. Die haben mal 'nen Auftritt gehabt und zusammen 'ne Gage von 500 Mark bekommen. (Eddi kichert). Und dann haben die gesagt: "Jetzt stellt euch mal vor, jeder von uns würde 500 Mark kriegen, das wäre klasse!"
Was ich damit ausdrücken will, ist die Steigerung bis heute. Als ich damals dazugekommen bin, war ein Konzert in der Philharmonie in Köln zu spielen undenkbar. Das ist ein stetiger Weg nach oben gewesen und es ist interessant, wie viel wir in den Jahren erreicht haben. Und rückblickend muss ich sagen, dass das, was wir damals für unmöglich hielten, das gibt es heute nicht mehr - anything goes.
Eddi: Wir haben ja jetzt sogar 'ne goldene Schallplatte verliehen bekommen - hätten wir uns nie träumen lassen. Das ist schon genial!
Eddi: Danke.
Ferenc: Das ist ein ständig wachsender Prozess, das hört nicht auf. Ich weiß noch, als ich angefangen habe, Mundschlagzeug zu machen, das war schlimm und trotzdem haben wir's gemacht. Das wurde immer besser. Auch was die Rhythmik betrifft. Ich stolpere jetzt immer noch. Fall mal nach hinten oder nach vorn, dann krieg ich 'nen Tritt und dann geht's auch wieder. Ohne Eigenlob, wir arbeiten an der Sache, wir versuchen uns zu verbessern und wenn das klappt, ist es super.
Ferenc: Ich fände es auch schlimm, wenn man denkt, man wäre perfekt, dann hätte man ja keine Möglichkeit mehr, sich weiterzuentwickeln. Das geht nicht.
Eddi: Live gibt's die Chance, das Lied einmal so zu performen, dass es dem Publikum Spaß macht. Im Studio ist es anders, weil wir einzeln hinterm Mikrofon stehen, um das Optimale aus unseren Stimmen herauszuholen. Dort sind wir dann aber auch in der Lage, den Sound aufzufüllen und auch mal 'ne sechste, siebte oder achte Stimme hinzuzufügen.
Eddi: Das ist eins unserer größten Ziele, und auch da sind wir noch nicht angekommen, wo wir irgendwann hinwollen. Es scheint so zu sein, dass wir teilweise live so'ne Energie rüberbringen können, die wir im Studio nicht einfangen. Aber wir sind da viel besser geworden, denn wir haben bei dem jetzigen Album mal damit experimentiert, Publikum ins Studio einzuladen, beim Einsingen einiger Stimmen. Wir sind immer noch dabei, einige neue Methoden zu suchen und zu probieren.
Ferenc: Eine Band ohne Fans ist eine Band, die nicht existiert. Die kann dann im Keller ihre Stücke spielen, aber nicht in der Öffentlichkeit. Wir haben eine große Fanbase, das stimmt, und wir tun auch viel, um sie zu erhalten. Wir bieten im Internet den Leuten ein Forum sich untereinander mitzuteilen, wir starten Aktionen. Und was wir seit Anbeginn machen, seit ich denken kann ist: Wir gehen raus nach dem Konzert und stehen dann Rede und Antwort und geben Autogramme. Das machen wir, und damit schaffen wir uns keine Unnahbarkeit. Die Leute haben das Gefühl, dass wir nicht abgehoben sind - was natürlich nicht stimmt (lacht). Nein, man bleibt aber selber auf dem Boden der Tatsachen. Das würde ich auch jedem anderen empfehlen, den Kontakt zu den Leuten zu halten, und nicht zu denken, man wäre unnahbar oder unantastbar.
Ferenc: Wenn man die Bühne betritt und diese Masse sieht, dann ist es unglaublich. Aber das ist noch nicht der Punkt. Der Punkt ist der, wenn die alle anfangen mitzusingen. Wenn alle begeistert sind, und dann die Sonne untergeht und dann Wellen von links nach rechts laufen, das war wie ein Meer, was sich so, jetzt werde ich auch schon philosophisch, was sich so zu uns bewegt hat.
Ferenc: Eddi, für peinliche Geschichten bitte ich dich ans Mikro.
Eddi: Gerne. ( Lacht.) Wir haben eine aufwendige Choreographie bei dem Lied "Schiller", weil wir da Michael Jackson parodieren, und da wollen wir natürlich auch 'ne komplette Jackson-Choreographie hinlegen. Und da ist mir bei der Spezialnacht in Essen bei einem Sprung der Empfänger von meinem In-Ear-Monitoring aus dem Gürtel gerutscht, weil ich den nicht fest genug gemacht habe. Auf einmal hörte ich nichts mehr und habe komplett den Faden verloren. Ich wusste nicht mehr, welchen Schritt ich machen sollte, und ich stand da irgendwann und zuckte mit den Schultern. Und die Jungs links und rechts tanzten sich 'nen Wolf. (Ferenc kichert).
Ferenc: Mit Sicherheit.
Eddi: Wir kriegen auch immer ein Video von 'nem Auftritt, da wird das bestimmt zu sehen sein.
Eddi: Vor über 20 Jahren, als wir noch 'ne Schulband waren, dachten wir, lass uns doch mal einen Song von den Beach Boys machen, und dann kam der überraschend besser an, als alles andere, was wir sonst so gemacht haben. Und dann haben wir immer öfter Straßenmusik gemacht in Köln, und da bietet es sich an, dass du da nicht die ganze Instrumentalbaggage mitschleppst. Und dann haben wir gemerkt, dass das so unser Ding ist. Aber musikalisch haben wir uns mehr an den Popgruppen, die uns liegen, orientiert.
Eddi: Ja, das kommt vor. Bei "Mittsommernacht Bei IKEA" mussten wir auf Rock' n Roll zurückgreifen. Aber wir haben jetzt auf dem Album auch, wenn du’s instrumental ausproduzieren würdest, Punkrock.
Ferenc: Du meinst "Latein", ne.
Eddi: Ja.( Zählt weiter auf) Funk, Hip-Hop bei "Hamlet" und ganz normaler englischer Pop. Es sind ganz verschiedene Musikrichtungen, aber es fällt nicht so auf, weil es eben dann doch von uns Fünfen gesungen ist. Das ist dann wohl das Bindemittel, aber wir haben darauf eigentlich sehr verschiedene Musikrichtungen.
Ferenc. Wir sind noch nicht mal ansatzweise an die Grenzen gestoßen. Wir waren auch schon mal in Amerika mit dem Goethe-Institut, und dort wurden wir auch verstanden, auf Basis der Musik. Andererseits lebt unsere Musik auch durch ihre Texte, und da wir auch in Deutschland wohnen, finde ich es auch wichtig, dass die Leute unsere Musik verstehen. Denn wer hört sonst Nummern im Radio und würde sich die Texte übersetzen?
Die Gefahr dabei ist natürlich, dass man versucht uns in den Schlager zu stecken, was wir natürlich nicht sind. Im Endeffekt erreichen wir also ganz viele Menschen, und was ich traurig finde ist, dass die immer noch über Mundpropaganda erreicht werden. Wir sitzen zwar hier bei Euch im Radio, aber wir laufen nicht dort, weil es für die Musik, die wir machen, kein Genre gibt. Was ich schade finde, denn das Genre gibt es schon, das heißt Popmusik und ist hier nur mit'm Mund gemacht, und ich finde auch, dass die CD "Klassenfahrt" absolut tauglich ist, im Radio zu laufen. Also, ich wüsste nicht, warum nicht.
Ferenc: Der Fluch ist manchmal, wenn 'ne Tour zu lange dauert, und wenn man dann nach Hause möchte zur Familie. Das kann dann schon 'n Fluch sein.
Eddi: Und der Segen, da muss ich dann ganz kurz mal einhaken, der Segen ist, wenn man dann zu Hause ist, und die Kinder halten einen nachts wach, weil die noch so klein sind, dass die nachts gestillt werden müssen, dann ist der Segen, dass man 'ne Zeitlang wegfahren kann.
Ferenc: Ich wollte genau dasselbe sagen. ( Beide lachen).
Ferenc: Das Publikum. Was einen erwartet, und was erobert oder unterhalten werden möchte. Und ich freue mich darauf, das Programm, das wir jetzt gerade haben, "Klassenfahrt" gleich zu singen.
Eddi: Ich freue mich auch auf das Konzert, da wir das heute erst zum dritten Mal spielen. Bei der Premiere war es so, dass die Leute nur zugehört haben, was auch mal geil ist, weil wir sonst ein total lautes Publikum haben, so dass wir uns selber kaum hören können. Und jetzt wird sich das langsam so hochschrauben, vom Mitmachfaktor her, und da bin ich mega gespannt, wie sich die neuen Lieder entwickeln.
Danke, dass Ihr hier wart, und euch noch ein schönes Konzert später.
Das Gespräch führte NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff im Februar 2010.