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Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard sind ein eingespieltes Team. Seit 1970 in der Originalformation gibt's bei ZZ Top keine Diskussion, was gespielt wird: Rock. Und zwar den der rauen Sorte, mit reichlich Blues und Südstaaten-Sound. Live sind ZZ Top besonders überzeugend. Und so tobte das Publikum im ausverkauften Hamburger Stadtpark - und das auf den Wiesen (mit reichlich Grillgut ausgestattete) davor gleich mit. Hier die Konzert-Kritik von NDR 2 Moderator Dirk Böge.
Es weht ein kräftiges Frühsommerlüftchen im Hamburger Stadtpark, von überall rauschen extrem laut knatternde Harleys ran. Strahlend blauer Himmel, alles war bereitet für einen gelungenen Auftakt der Freilichtsaison in dieser lauschigen Konzertarena.
Vor der NDR 2 Freilichtbühne wimmelt es vor Aufblas-Gitarren, Sonnenbrillen und langen Bärten – einige auch aus Kunststoff. Ausverkauft – schon seit Wochen. Im Publikum: Freudige Spannung vor einer schlichten Bühne: ein Schlagzeug der Extra-Größe, zwei Mikrofonständer, die so ein bisschen wie eine Luxusdusche aussehen, dazu Scheinwerfer in Weiß und Rot, an der Bühnenrückwand eine große Leinwand. Das war's.
Drei Minuten nach 8 kommen sie: ganz unspektakulär – ein Schlagzeuger und zwei lange Bärte.
Ganz in Schwarz, mit Hüten. Moment mal - die haben sich ja gar nicht verändert!
Und schon geht es los:
"Got Me Under Pressure", "I’m Bad, I’m Nationwide", die Gitarre herrlich schmutzig, der Bass wummernd, das Schlagzeug glasklar und einmalig genau auf den Punkt. Überall nickende Köpfe und wippende Füße. Es ist eine Reise in die 70er und 80er Jahre. "Jesus Just Left Chicago", "Tube Snake Boogie", Blues und Rock – schmutzig, sogar richtig dreckig, aber mit Volldampf.
Wenn nicht die vielen grauen Haare im Publikum wären, könnte man glauben, die Zeit wäre stehen geblieben. Auf jeden Fall haben sich ZZ-Top hinter den Bärten und den Sonnenbrillen scheinbar nicht verändert. Die Finger noch so flink, die Stimmen genau so rau wie in den 80ern. Dazu die passend entschleunigte Bühnenshow: bloß keine hektischen Bewegungen – alles ganz langsam und geschmeidig.
Dafür in der ZZ-Top-Choreografie: paralleler Wiegeschritt, die Gitarren gekreist, im Hintergrund laufen auf der Leinwand die Videos zu den alten Hits.
Könnte auch eine Alt-Herren-Tanzgrupe sein – wenn es nicht so extrem cool wäre! Sänger und Gitarrist Billy Gibbons spielt mit dem Publikum. Alles hängt an seinen Lippen, oder eher am Bart - Lippen gibt es ja nicht zu sehen...
Eine kleine Geste, ein trockenes "Danke" - alles sitzt und bringt Extra-Applaus vom Publikum. ZZ-Top sind gekommen, um das zu machen, was sie am besten können: Bluesrock mit Vollgas! Ohne Schnörkel, "voll auf die Zwölf"! Nach einer Stunde Gelassenheit wird es dann richtig laut: "Gimme All Your Lovin’", "Sharp Dressed Man", "Legs" mit weißen Fell-Gitarren, die man glatt für Eisbär am Stil halten könnte. Billy Gibbons spielt ein Gitarrensolo nach dem nächsten.
Dann sind sie plötzlich weg - aber genau so unspektakulär auch gleich zur Zugabe wieder da. Weiter geht's, wieder zurück in die Zeit der ersten Hits, die bei den Fans den größten Kultfaktor haben. "La Grange", "Tush", keiner steht mehr still.
Und dann sind sie wieder weg – Licht aus, Hintergrundmusik an. Fast auf die Minute genau 1 ½ Stunden. Schade, das Publikum hätte auch gerne noch eine Stunde länger gekonnt. Trotzdem: Großartiger Bluesrock mit voller Kraft, geradeaus, von einer Band, die es immer noch genau so kann wie früher. Diese drei Herren sind cool bis zum Anschlag und sie haben den Blues UND den Rock verstanden.
Mit ZZ-Top war der Blues in der Stadt – und es war beides: herzerfrischend und extrem cool!
Dirk Böge
Seit 1970 rocken sie in Originalformation. Am 30. Mai 2009 war die bärtige Kult-Band beim NDR Open Air im Stadtpark - hier die Bilder vom ausverkauften Konzert!