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Mit Hits wie "Take On Me", "The Sun Always Shines On TV" oder "Hunting High And Low" stürmten Morten Harket, Pål Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen in den 80ern die Hitparaden. 1993 trennten sich a-ha. Sieben Jahre später, als wären die 80er nie zu Ende gegangen, gelang mit dem Album "Minor Earth Major Sky" das gemeinsame Comeback. Mit "Lifelines" und der Hit-Single "Forever Not Yours" knüpften sie nahtlos an frühere Erfolge an. Doch jetzt soll endgültig Schluss sein: A-ha sind auf Abschiedstournee, die am 4. Dezember 2010 in Oslo enden soll. Am 30. Februar 2009 haben sich die Norweger von ihren Fans in Hamburg verabschiedet - NDR 2 Reporter Michael Latz war dabei.
Noch ein 80er Revival! Dieses Mal a-ha!
Noch eine Band, die dafür gefeiert wird, dass sie alte Kamellen im ewig gleichen Stil runterspult und dafür frenetisch gefeiert wird? Gefeiert von einem Publikum, das vor 20 Jahren vielleicht mal schrill und wild zu den Songs getanzt hat, jetzt aber müde und behäbig in der bestuhlten Arena Platz nimmt und sich gerade eben noch an die Namen der Titel erinnern kann, nicht aber mehr an den Text? Noch ein Revival, das niemand braucht?
Zumindest für einen kurzen Augenblick wirkt es so, als a-ha in der Hamburger Arena auf die Bühne kommen. Zwar liegt beim Auftakt mit "The Sun Always Shines On TV" eine gewisse Spannung in der Luft, weil das Lied wie ein Flüstern beginnt und dann immer mehr Fahrt aufnimmt. Aber dann wird es seltsam träge in der Arena. Allerdings liegt das nicht daran, dass die Fans ihre Idole von einst nicht feiern wollen - sie dürfen schlicht nicht. Das Konzert ist bestuhlt. Der Raum direkt vor der Bühne gesperrt, damit die Menschen in der teuer bezahlten ersten Reihe etwas sehen können. Erst kurz vor der Zugabe haben die Sicherheitsmänner ein Einsehen und die aufgestaute Spannung bricht sich Bahn. Weit mehr als hundert Fans stürmen nach vorn zur Bühne - so wie es wohl sonst nur bei den Fans von Tokio Hotel zugeht.
Ja, es ist mal wieder 80er Revival. Aber eines mit Herz!
Da ist eine Frau Ende 30, die sich heimlich bis in die vierte Reihe schlicht, damit sie ihr selbstgemaltes Porträt von Morten Harket so weit wie möglich nach vorn bringen kann. Am Ende freut sie sich wie ein Schulmädchen, weil Morten sie anlächelt. Da ist das Ehepaar, dass sich mit seinem ersten a-ha-Konzert einen kleinen Traum erfüllt - ein Traum, der während ihrer Teeniezeit in der DDR noch unerreichbar war. Da sind Freunde, die sich daran erinnern, wie man vor Jahren den Bravo-Starschnitt der Band zusammengeklebt und bestaunt hat. Da ist der Mann Mitte 40 auf dem oberen Rang, der zu "The Blood That Moves The Body" ausgelassen tanzt und mit den Armen rudert, als wäre er allein in der Halle. Da ist die Mutter, die aus München angereist ist und sich an ihr letztes a-ha-Konzert erinnert: Damals erfuhr sie, dass sie schwanger war. Dazu kreisen immer wieder Wunderkerzen und Feuerzeuge über den Köpfen - textsicher sind die Fans wie eh und je.
Die Begeisterung von damals steckt auch nach einem Vierteljahrhundert noch immer in den Fans. Keine Frage: Aus den Teenieschwärmen sind Erwachsene geworden. A-ha im Jahr 2009 - das bedeutet graues Sakko, schwarze Hose und Hemd. Lederbänder und zerschlissene Jeans sind verschwunden. Und da, wo bei Morten früher eine strubblige Haartolle war, scheint es, als schimmere es langsam durchs dünne Haar hindurch. Und trotzdem: Irgendwie steht da vorn ein Stück Pubertät auf der Bühne.
Bei "Take On Me" oder "The Living Daylights" braust ein Applaus durch die Arena, dass es nur so kribbelt. Und wenn Morten Harket mit seiner unglaublichen Kopfstimme bei "Summer Moved On" die hohen Töne unendlich lange hält, schlägt ihm ein Kreischen entgegen. Da stört es nicht, dass der ein oder andere Ton nicht sitzt. Da ist es egal, dass a-ha ihre Stücke nur wenig variieren und nur spärlich Raum zum Mitsingen geben. Und da spielt es keine Rolle, ob die Songs nun 25 Jahre alt sind oder erst wenige Monate. Die neue Single "Foot Of The Mountain" zum Beispiel reißt auch den letzten vom Stuhl.
Im Grunde könnte es im Moment gar nicht besser laufen für a-ha. Die Band, die in 90ern schon abgeschrieben war, spielt wieder oben mit. Und trotzdem: Ausgerechnet jetzt wollen Morten Harket und seine beiden Bandkollegen einen Schlussstrich ziehen. Bis Ende 2010 sind sie noch unterwegs. Dann aber wird die Bühne zum letzten Mal zu Hause in Oslo aufgebaut, und dann ist a-ha Geschichte, so haben sie es vor kurzem angekündigt. Das Konzert in Hamburg - völlig unerwartet ist es zum Abschiedskonzert geworden. Kaum zu glauben.
Bei manchen Fans mischt sich an diesem Abend deshalb Wehmut in die Partystimmung. Einige haben sogar Glück gehabt und sich Tickets für das Finale in Oslo sichern können, um dabei zu sein, wenn die Band endgültig abtritt. Manche kaufen es den Norwegern auch gar nicht ab, dass sie sich mit dem Altenteil zufrieden geben werden. Es wäre nicht das erste Comeback. Die meisten aber haben offenbar Verständnis für a-ha, trotz aller Begeisterung. Selbst wenn das der Abschied ist, die Musik wird bleiben, sagen sie sich.
Michael Latz
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